Home

Vorwort

VORWORT
DES VORSTANDES

Ein Interview

Herr Dr. Brockmeier, die Energiebranche ist seit Jahren im Umbruch. Traditionelles Geschäft bricht weg oder steht stark unter Druck, neues ist vielfach noch nicht in Sicht oder wenn, dann in deutlich kleinerer Dimension. Sind Visionäre gefragt oder Realisten?


Dr. Udo Brockmeier: Beides. Man kann auch sagen, dass eine erfolgversprechende Strategie auf einer gut verstandenen Vision beruht. Wir brauchen auch weiterhin den Mut, groß zu denken, müssen aber dann das Machbare herausarbeiten.

Eine Leitlinie für die Sortierung unserer Gedanken ist es, konsequent unser Vorgehen und unsere Ziele auch aus den Interessen unseres lokalen und regionalen Umfeldes abzuleiten. Das bedeutet, dass nicht zuerst die technische Machbarkeit einer Idee im Fokus steht, sondern die Frage nach dem Nutzen für uns und unser Umfeld. Der Zuspruch für unsere Entwicklungskonzepte wie etwa für die Errichtung des hocheffizienten Erdgaskraftwerks und den Ausbau der Fernwärme bestätigt uns auf diesem Weg ebenso wie die ersten Erfolge im Bereich der neuen Produkte und Dienstleistungen.

Wir können als Stadtwerke Düsseldorf mit einigem Stolz, aber ohne überheblich zu sein, sagen, dass wir in den wichtigsten Bereichen vorne mit dabei sind. Wir sind Treiber, nicht Getriebene. Wir sehen unsere Möglichkeiten in der ganzheitlichen Versorgung des urbanen Raums. Als „Stadt-Werk“ ist die regionale Verwurzelung dabei nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sie prägt unser Handeln.

Welchen Weg beschreiten die Stadtwerke Düsseldorf?

Dr. Udo Brockmeier: Eine wichtige Grundlage für unsere Arbeit ist die Antizipation maßgeblicher Trends und Entwicklungen, die nicht nur Neuerungen im technischen Bereich zur Folge haben, sondern auch die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden verändern – und damit den Markt. Dazu gehört die Digitalisierung ebenso wie der technische Fortschritt im Bereich der erneuerbaren Energien. Diese bedienen den Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger nach Mitbestimmung und Autarkie und eröffnen vielen die Chance, selbst von der Energiewende finanziell zu profitieren. Dabei ist uns sehr bewusst, dass sowohl im Bereich der Entwicklung der Infrastruktur als auch neuer Geschäftsmodelle oftmals Kooperationen der Schlüssel zum Erfolg sind. Konkret bedeutet dies, dass wir uns entlang zweier zentraler Handlungsstränge bewegen. Zum einen ist da die immer wichtiger werdende Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle, zum anderen die kontinuierliche Arbeit an einer effizienten und marktgerechten urbanen Infrastruktur.

Ein Thema, das in beide Bereiche hineinspielt, ist das städtische Projekt „Smart City“. Dabei erarbeitet die Verwaltung gemeinsam mit vielen verschiedenen Partnern von der IHK bis zu den Stadtwerken smarte, also digital vernetzte und intelligente Konzepte für die zukunftsgerichtete Optimierung des Verkehrssystems und städtischer Dienstleistungen. Auch hier sind wir vorne dabei.

Herr Meier, salopp gefragt: Wie geht es den Stadtwerken Düsseldorf?

Hans-Günther Meier: Gut. Wir sind ein solides und, wie auch der Blick auf unsere finanziellen Kennzahlen zeigt, gesundes Unternehmen. Auf dieser Grundlage schöpfen wir unsere Möglichkeiten aus und investieren konsequent in die Sicherung und den Ausbau unseres Geschäftes, etwa in die Modernisierung und Steuerung der Netze, den Ausbau der klima- und umweltfreundlichen Fernwärme und in neue Geschäftsmodelle, etwa in den Bereichen Mobilitätsinfrastruktur und Immobilien. Insgesamt haben wir große Anstrengungen unternommen, um unser Geschäft möglichst effizient zu entwickeln. Dies schafft erst die Basis für unsere Investitionen, die ich als Früchte unseres Erfolgs sehe. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Zukunft der Stadtwerke auf diesem Weg nachhaltig sichern.

Ist die Digitalisierung für die Stadtwerke Düsseldorf Fluch oder Segen?

Dr. Udo Brockmeier: Zunächst sehen wir die Entwicklung als Chance. Und das nicht erst neuerdings. Idealtypisch sind etwa diese zwei Neuentwicklungen: Zum einen die App „Stadtwerkzeug“, sie bietet kundenfreundlich digitale kommunale Services sowie Informationen und hat zudem eine strategische Bedeutung bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Zum anderen die „Thermobox“ als neue Online-Vertriebsanwendung für Fachhandwerker im Heizungsgeschäft.

Beide sind als White-Label-Produkte konzipiert, wobei die „Thermobox“ zudem ein gutes Beispiel dafür ist, dass auch Kooperationen über Branchengrenzen hinweg erfolgreich sein können – in diesem Fall mit dem Heizungs-Handwerk. Ich glaube sogar, dass viele neue Geschäftsmodelle überhaupt nur in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren funktionieren werden. Die Digitalisierung macht es nötig, verschiedenstes Fachwissen, Ressourcen und Marktzugänge zusammenzubringen. Dabei ist uns bewusst, dass das Thema Digitalisierung ein sehr sensibles ist. Einerseits können allein Veränderungen an sich Ängste auslösen. Andererseits bereitet der Umgang mit personenbezogenen Daten vielen Menschen ein ungutes Gefühl. Deshalb ist ein umsichtiger Umgang mit diesen Themen erfolgskritisch. Damit aus Ängsten keine Ablehnung wird, werden wir stets frühzeitig und transparent über aktuelle Entwicklungen informieren.

Herr Abrahams, in Düsseldorf konkurrieren etwa 140 Anbieter mit den Stadtwerken Düsseldorf. Was erwarten die Kunden vom Unternehmen?

Manfred Abrahams: Das große Vertrauen, das wir in der Stadt genießen, ist ein Wettbewerbsvorteil, den ich gar nicht stark genug betonen kann. Die Bürgerinnen und Bürger wissen seit 150 Jahren, was sie an „ihren“ Stadtwerken haben. Wir stehen für verlässliche Preise, Versorgungssicherheit, soziale und ökologische Nachhaltigkeit sowie permanenten Fortschritt.

Und dennoch steht der traditionelle Energievertrieb insbesondere preislich enorm unter Druck. Über digitale Plattformen bestehen viele Vergleichsmöglichkeiten für den Bezug von Strom und Gas. Wir bieten unseren treuen Kundinnen und Kunden bedeutend mehr. Wir handeln nach dem Grundsatz: „Die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden stehen im Mittelpunkt unseres Handelns.“ Deshalb lassen wir uns von folgenden Fragestellungen leiten: Was sind die spezifischen Bedürfnisse unserer Kunden? Wie schnell können wir auf Änderungen im Kundenverhalten reagieren? Welche individuellen Leistungen können wir zu einem wirtschaftlich vertretbaren Preis anbieten? Wir arbeiten beständig an kundenorientierten Lösungen. Mit gutem Erfolg bislang.

Können Sie das konkretisieren?

Manfred Abrahams: Durch das Feedback auf unseren Online-Kanälen und durch unsere Online-Analyse-Instrumente gewinnen wir beispielsweise laufend Erkenntnisse über das Verhalten und die Bedürfnisse unserer Kunden. So können wir innerhalb kurzer Zeit optimierte oder neuentwickelte Produkte, Prozesse und Dienstleistungen über unsere Internetseiten anbieten.

Dabei verändern sich die Wünsche und Anforderungen der Kunden ebenso schnell wie fundamental. Das stellt uns täglich vor neue Herausforderungen. So ist zum Beispiel ein wachsender Kundenkreis heute mittels Photovoltaik oder Blockheizkraftwerken auch Erzeuger geworden. Und es gibt immer mehr Möglichkeiten, Anlagen zu vernetzen und miteinander zu optimieren. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, die Kunden frühzeitig in die Entwicklung von energienahen Konzepten und neuen Produkten einzubinden.

Auch im klassischen Geschäft können wir weiter erfolgreich sein. Ein gutes Beispiel dafür ist die Düsseldorfer Fernwärme, die wir in unseren hocheffizienten und umweltfreundlichen Anlagen, allen voran Block Fortuna, gewinnen. Hier zeigt sich, dass sich der Zuspruch, den wir von Politik, Verwaltung, Verbänden und Organisationen seit Jahren spüren, in einen ausgeprägten Markterfolg übersetzt hat. Im Mittelpunkt steht dabei der Primärenergiefaktor Null unseres Produktes, der die Nachfrage nach klimafreundlicher Wärme bestens bedient und den Klimaschutzzielen unserer Heimatstadt folgt.

Ihr Slogan lautet „Mitten im Leben“. Was bedeutet das für Sie?

Manfred Abrahams: Wir sind seit 150 Jahren in Düsseldorf verwurzelt. Wir sind – wie wir es auch in unserer Kampagne zum Firmenjubiläum gesagt haben – ständig für Düsseldorf am Werk, Tag für Tag, rund um die Uhr. Wir gestalten das Leben der Bürgerinnen und Bürger auch durch unser Engagement in den Bereichen Kunst, Kultur, Sport und Soziales mit. Wir sind „Mitten im Leben“.

Vieles verändert sich, auch der Blick auf die eigenen Immobilien. Welche strategische Bedeutung haben sie für das Unternehmen?

Hans-Günther Meier: Es entstehen in allen Bereichen spezifische Herausforderungen, aber auch spezifische Chancen. So wird zum Beispiel aus einem vermeintlich langweiligen Geschäft wie den Liegenschaften ein spannendes neues Geschäftsfeld, das da heißt: Erstellung und Betrieb von zukunftsweisenden Immobilien, etwa so genannte Coworking Spaces. Die Kombination aus dem rentablen Immobilienportfolioausbau und der Weiterentwicklung des immobilienwirtschaftlichen Produktportfolios eröffnet die Möglichkeit, zusätzliche Ertragspotenziale aus der Vermietung eigener Objekte zu erschließen sowie substanzielle Synergieeffekte zur Unterstützung des Kerngeschäfts zu heben. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Einführung neuer Produkte sowie innovativer Versorgungssysteme liegt dabei auch im Betrieb eigener
Objekte.

Manchmal verbindet sich auch ganz praktisch das alte mit dem neuen Geschäft, so prüfen wir aktuell den Bau einer Immobilie an einem Standort, wo bis vor kurzem ein Heizwerk von uns stand. Dort soll in absehbarer Zeit ein Wohnhaus entstehen, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen zusammen wohnen können. Nach modernstem technischen Standard und zu bezahlbaren Preisen.

Verändert sich das Selbstverständnis der Stadtwerke unter dem Einfluss der neuen Entwicklungen und Herausforderungen?

Hans-Günther Meier: Eins vorweg: Wir wollen neugierig bleiben! Neugierig auf neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, neugierig auf neue Ideen unserer Stammbelegschaft, neugierig auf den Dialog mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, neugierig auf die neue digitalisierte Arbeitswelt.

Selbstverständlich untersuchen wir sehr präzise, welche Auswirkungen bestimmte Entwicklungen auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Wir wollen Aufgeschlossenheit erzeugen für die vielen Veränderungen – etwa die Digitalisierung. Dazu dient die Art, wie wir intern kommunizieren, aber auch die Art, wie wir arbeiten: zielgerichtet, effizient und transparent. Dabei liegt eine wesentliche Verantwortung bei unseren Führungskräften, sie müssen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen, also motivieren und Gesagtes glaubhaft vorleben, nicht zuletzt davon hängt der künftige Erfolg unseres Unternehmens ab.

Genauso entscheidend für unseren nachhaltigen Geschäftserfolg sind übrigens Investitionen in die Ausbildung und Einstellung junger Fachkräfte. Der demographische Wandel kommt nicht, er ist da – und seine Folgen werden Tag für Tag konkreter.