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Vorwort

Was wir liefern.

 

Der Vorstand im Gespräch.

2020 war aus vielen Gründen ein besonderes Jahr. Trotz Pandemie kamen die Stadtwerke Düsseldorf ihrem Auftrag nach und  lieferten zuverlässig. Für ihr Kundinnen und Kunden, für eine ganze Stadt, zu jederzeit. Und obwohl es kein leichtes Jahr war, schauen Finanzvorstand Hans-Günther Meier und Vertriebsvorstand Manfred Abrahams durchaus gerne auf das Jahr zurück. Gemeinsam mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Julien Mounier wagen sie zudem einen Blick in die Zukunft. Ein Gespräch über unser Selbstverständnis, Daseinsvorsorge und neue Perspektiven.

Herr Mounier, mit dem Stichtag 1. Januar 2021 sind Sie neuer Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf. Wie funktioniert eine Staffelstab-Übergabe in einer weltweiten Pandemie?

Julien Mounier:

Die Pandemie hat uns einen Schub verliehen, was die Selbstverständlichkeit digitaler Kommunikation angeht. Allerdings habe ich es sehr vermisst, mich persönlich zu verabschieden beziehungsweise vorzustellen, weil ich den direkten Dialog sehr schätze. Aber auch so haben die Düsseldorfer Stadtwerkerinnen und Stadtwerker mich herzlich willkommen geheißen.

In einer Zeit bei einem Stadtwerk anzufangen, in der die Daseinsvorsorge so wichtig wie selten ist, hat mich persönlich zusätzlich motiviert. Wir haben bewiesen, wie schnell wir uns verändern können – diesen Schwung möchte ich für andere Themen mit großem Veränderungsdruck wie Klimaschutz, Digitalisierung und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft mitnehmen.

Herr Meier, die Stadtwerke Düsseldorf versorgen nicht nur Privatkunden, sondern auch die Industrie. Hat der Lockdown das Unternehmen hart getroffen?

Hans-Günther Meier:

Es gibt viele Gründe, warum es Spaß macht, im Vorstand eines Stadtwerks im Rheinland und insbesondere in Düsseldorf zu sein. Denn diese Stadt ist geprägt von einer fast einzigartigen Vielfalt – nicht zuletzt, was Gewerbe und Industrie angeht.

Natürlich hat der Lockdown Spuren im Ergebnis hinterlassen – aber nicht so tiefe wie am Anfang befürchtet. Unser Erfolg beruht auf dem Nutzen, den unsere Leistungen für unsere Kundinnen und Kunden, unsere Partnerinnen und Partner und unser Umfeld haben. Insofern können wir trotz allem auf ein solides Jahr zurückschauen.

Manfred Abrahams:

Ich würde das gerne noch ergänzen: Denn die Stadtwerkerinnen und Stadtwerker genauso wie unsere Müllwerker haben ganz hervorragende Arbeit geleistet und die Ver- und Entsorgung in unserer Stadt sichergestellt. Die Düsseldorferinnen und Düsseldorfer und unsere Kundinnen und Kunden konnten und können sich auf uns verlassen.

Wir als Vorstände sind allen zu großem Dank verpflichtet – aber auch die Menschen in unserer Stadt haben unsere Arbeit in diesem Jahr besonders wertgeschätzt. Ich bin mir sicher, wir alle erinnern uns gerne an das Laken, das eines Morgens am Zaun der Müllverbrennungsanlage hing. In bunten Buchstaben wurde den Stadtwerken, der AWISTA und anderen Düsseldorfer Institutionen für den „unermüdlichen Einsatz Tag und Nacht“ gedankt. Das hat viele bewegt und motiviert.

Doch wir waren nicht nur aktiv, was die sichere Ver- und Entsorgung angeht: Wir haben auch die Themen Klima- und Umweltschutz sowie Innovationen vorangetrieben und so in Erhalt und Ausbau der Lebensqualität investiert. Der Ausbau von Photovoltaik und Ladesäuleninfrastruktur sind nur zwei Beispiele.

Lebensqualität und Lebensgefühl sind für uns freilich mehr als innovative Produkte und technische Fragestellungen: Wir engagieren uns für Soziales, Bildung, das Brauchtum, den Sport und für die Kultur. Denn all das steht für wichtige soziale und gesellschaftliche Ziele – und damit auch für den Charakter unserer Stadt. Das gilt in schwierigen Zeiten wie den aktuellen umso mehr.

Klimaschutz hat Düsseldorf im vergangenen Jahr besonders bewegt: Nach dem Beschluss, schon bis 2035 statt erst 2050 klimaneutral zu werden, wurde viel gerechnet. Herr Mounier, wie geht es nun weiter mit dem Düsseldorfer Weg?

Julien Mounier:

Der Düsseldorfer Weg beschreibt, wie es Düsseldorf gelingt, sein ehrgeiziges und notwendiges Klimaschutzziel zu erreichen. In den Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Entsorgung haben alle Beteiligten ihre Hausaufgaben zu machen, dabei sind die Stadtwerke Düsseldorf naturgemäß besonders gefordert. Auch wenn ich uns auf einem guten Weg sehe, habe ich den Anspruch, dass wir noch schneller werden und neue Impulse geben. Ich sehe da insbesondere die industrielle Abwärme, die Erzeugung von klimafreundlichem Wasserstoff und wie gesagt die Kreislaufwirtschaft. Bei einigen Themen hoffe ich, dass wir bald auch einige Früchte ernten können, die vor meiner Zeit gesät wurden. Hier wurde an vielen Stellen herausragende Arbeit geleistet.

Neue Impulse – das klingt nach Investitionsentscheidungen. Herr Meier, ist es nicht schwierig, in dieser insgesamt wirtschaftlich angespannten Lage, Geld in Klimaschutz zu investieren?

Hans-Günther Meier:

Ich würde es sogar umdrehen: Aktuell werden verstärkt Konzepte wie „Green Recovery“ diskutiert, also ein klima- und umweltfreundlicher Entwicklungspfad für die Wirtschaft auf dem Weg aus der Krise heraus. In den letzten Jahren haben wir viel in klimafreundliche Erzeugung investiert. Und diesen Weg wollen wir entschlossen weitergehen.

Auf diese Weise prägen Klimaschutz und Nachhaltigkeit unser Handeln. Und die Nachfrage nach grünen Investitionen am Markt wächst zunehmend. Für die Investition in Emissionsreduktion und Nachhaltigkeit werden zusätzlich finanzielle Anreize geschaffen – sowohl an den Kapitalmärkten als auch über die Politik, national und europäisch. Das wirkt sich positiv auf unsere Investitionen aus und bestärkt uns zusätzlich darin, nachhaltige Projekte für Lebensqualität und Klimaschutz in unserer Stadt zu finanzieren.

Wir sehen, dass Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und Finanzierungskonditionen richtigerweise immer mehr den CO2-Fußabdruck berücksichtigen. Das passt zu uns und unseren wirtschaftlichen wie klimapolitischen Zielen.

Heute sind die Stadtwerke Düsseldorf CO2-Emittenten. Diese Emissionen ziehen sich durch alle Sektoren. Über Prämissen entwickeln wir ein Zielbild und der nächste Schritt ist dann ein klarer Reduktionspfad, der uns zu einem Anbieter für nachhaltige Lösungen macht. So entwickeln wir uns vom CO2-Emittenten zum klimaneutralen Energieversorgungsunternehmen.

Herr Abrahams, wie sehen Sie den Markt für nachhaltige Produkte?

Manfred Abrahams:

Er wächst stark! Die große Nachfrage nach klimaneutralen Produkten wird einerseits getrieben von persönlichen Einstellungen oder einer bestimmten Geschäftsperspektive, andererseits durch die Gesetzgebung. Weniger klimafreundliche Produkte werden teurer oder ordnungs-politisch aus dem Markt gedrängt, andere wiederum gefördert.

Mit neu entwickelten Klimaschutzprodukten wollen wir unsere Bestandskundinnen und -kunden an uns binden und neue Kundinnen und Kunden dazugewinnen.

Die Transformation des Energiesystems in Richtung Erneuerbare Energien lässt uns bei der Erzeugung noch lokaler und dezentraler denken. Eine Chance besteht möglicherweise auch darin, Kundinnen und Kunden stärker einzubinden. Wir wollen dahin kommen, dass unsere Kundinnen und Kunden gemeinsam mit uns unsere neuen Produkte und Dienstleistungen entwickeln und unser Bestandsportfolio immer wieder evaluieren. Dabei wird uns die Digitalisierung sehr helfen. Das hat aber auch einen Einfluss auf unsere Strategie, unsere Infrastrukturen, unser Produktportfolio und auf unsere Vertriebsaktivitäten.

Unser Anspruch ist es, in Infrastrukturen zu investieren und Produkte zu entwickeln, die insgesamt das Leben in der Stadt verändern. Auch die Bürgerinnen und Bürger, die nicht unsere Strom- und Gaskunden sind, profitieren davon, wenn wir einen Beitrag zu sauberer Luft und Lebensqualität leisten.

2020 war auch das Jahr der Digitalisierung. War das auch bei den Stadtwerken sichtbar?

Hans-Günther Meier:

Die Pandemie-Situation hat an vielen Stellen gezeigt, wie wichtig eine stabile digitale Infrastruktur für das Funktionieren von Arbeitswelten und gesellschaftlicher Teilhabe ist. Die Stadtwerke Düsseldorf haben das Thema auch aus anderen Gründen in 2020 noch einmal verstärkt auf die Agenda gehoben.

Als Betreiber systemkritischer Infrastruktur haben wir mit der Einführung und dem Betrieb der CDMA-450-Netztechnik und dem Einstieg in die LoRaWAN-Technologie neue Wege beschritten. Wir prüfen unsere Marktchancen für den Aufbau eines eigenen Glasfasernetzes. Dabei greifen wir auf unsere reichhaltigen Erfahrungen und unser Know-how mit dem Bau, der Wartung sowie der Instandhaltung von Netzen zurück. Auch das ist ein Baustein von Lebensqualität in einer Metropole.

Herr Mounier: Die Stadtwerke Düsseldorf liefern also Lebensqualität?

Julien Mounier:

Es gibt den klassischen Begriff der Daseinsvorsorge. Im ursprünglichen Sinne bedeutet er, dass wir die Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme sowie die Entsorgung sicherstellen. Heute ist aber klar, dass es mehr braucht, damit eine Stadt funktioniert. Deswegen machen wir uns auch Gedanken, welche Infrastrukturen der Verkehrssektor braucht, und fragen uns, welche Rolle wir mit unserer Expertise für komplexe Netzinfrastrukturen auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Telekommunikation oder der Digitalisierung spielen können. Dann gibt es die Notwendigkeit der Ressourceneffizienz, die zu einer stetigen Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft führt: Da passen zum Beispiel die Themen „industrielle Abwärme“ und die lokale Wasserstoffproduktion bestens dazu.

So entsteht ein neues Bild der Daseinsvorsorge – und wir als Stadtwerke haben beste Voraussetzungen dafür, wenn nicht sogar ein Alleinstellungsmerkmal, um diesen Anspruch zu erfüllen. Am Ende wollen wir nicht nur für heute liefern, sondern auch den Weg bereiten, damit kommende Generationen ein lebenswertes Düsseldorf vorfinden.